Kulturraum NRW


Die besten Skulpturenparks in NRW

Dreimal „gut +“, einmal „gut“, fünfmal „gut -“

Ein Vergleichstest von ausgewählten Skulpturenparks in NRW: Von Bedburg-Hau bis Wuppertal, von Marl bis Köln, mit einem Testsieger, einem Kunstbesten und einem Testsieger der Herzen.

Skulpturen in Marl: Thomas Schütte, Melonensäule, 2017. Foto: jvf
Skulpturen in Marl: Thomas Schütte, Melonensäule, 2017. Foto: jvf.

Seuchenhygienisch gesehen sind Skulpturen­parks vermutlich die beste Möglichkeit, bildender Kunst in kompakter Form direkt und nicht nur virtuell zu begegnen. Vornehmlich in den letzten 25 Jahren sind eine ganze Reihe dieser Parks in Nordrhein-Westfalen eingerichtet worden. Welche lohnen besonders den Besuch – auch bei etwas weiterer Anreise?

Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

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Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal: Joan Miró, Personnage, 1982 © Successio Joan Miró, Foto: jvf
Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal: Joan Miró, Personnage, 1982 © Successio Joan Miró, Foto: jvf.

Der Testsieger mit dem besten Gesamt­paket (Gesamtnote: „voll gut“ – 1,6) ist der erst 2008 eröffnete Skulpturenpark Waldfrieden in Unterbarmen. Das sehr hübsche Wald­grundstück (14 ha) auf den Wuppertaler Südhöhen mit der noch hübscheren Villa Wald­frieden war früher Wohnsitz des kunstverständigen Wuppertaler Lack­fabrikanten Kurt Herberts, an dessen ehemaligen Fabriken man auf dem Weg nach oben zum Park vorbeikommt.

Die Einrichtung als Skulpturenpark geht zurück auf Tony Cragg, Bildhauer und Rektor der Düssel­dorfer Kunst­akademie (2009-2013). Der Park wird als Privat­museum von der Cragg Foundation betrieben.

Die Dauerausstellung umfasst 45 Arbeiten, vornehmlich aus den letzten zwanzig Jahren. Zu den vielen herausragenden Werken gehören drei wunderbare Bronze­figuren aus dem Spätwerk von Joan Miró (1978-82), eine monumentale Bronze Mann mit Fahne (2018) von Thomas Schütte, ein starker Paris ohne Arme (2000) von Markus Lüpertz, eine schöne Draped Seated Woman (1957/58) von Henry Moore und Erwin Wurms ziemlich witziger Big Psycho 10 (2010). Etwa die Hälfte der Arbeiten im Park sind von Tony Cragg selber, Groß­plastiken aus den Jahren 1998 bis 2015.

Die Anfahrt ist problemlos, vom Wuppertaler Haupt­bahnhof fährt alle 10 Minuten ein Nahverkehrszug zum S-Bahnhof Unterbarmen. Von da aus sind es etwa 20 Gehminuten bergauf. Der Skulpturenpark Waldfrieden stellt im Netz und vor Ort einen Lageplan für den Park bereit.

Ebenfalls auf den Seiten des Skulpturenparks gibt es Informationen zu Sonder­ausstellungen, die in drei Austellungs­pavillons auf dem Gelände eingerichtet werden (bis 3. Januar 2021 sind Arbeiten von Sean Scully zu Gast). Der Zutritt zu Park und Sonder­ausstellungen kostet 12 Euro, für manche Wege im Park ist etwas festeres Schuhwerk eine prima Idee.

Skulpturenpark Köln

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Skulpturenpark Köln. Foto: jvf
Skulpturenpark Köln. Foto: jvf.

Unschlagbar in Sachen prominenter Gegenwartskunst und – da kostenfrei zugänglich – zudem Preisleistungs-Bester: Der Skulpturenpark Köln (Gesamtnote: „voll gut“ – 1,6).

Gewiss, das Gelände ist etwas eingeklemmt zwischen der verkehrsreichen Riehler Straße, dem Konrad-Adenauer-Ufer und – besonders unschön und lärmintensiv – der Rampe der Kölner Zoobrücke. Und die Fläche (etwa 3 ha) ist eher zu klein für die Fülle an guter Kunst, die es dort zu sehen gibt.

Aber welche Qualität wird da seit 1997 im etwa zwei­jährlichen, teil­erneuernden Wechsel gezeigt! In der 9. Auflage (2017-2019) waren rund 50 Arbeiten u.a. von Rosemarie Trockel, Heimo Zobernig, Fischli & Weiss, Thomas Schütte, Dan Graham, Jenny Holzer und Jimmie Durham zu sehen. Die Eröffnung der „KölnSkulptur #10“ ist für Juli 2020 geplant, der Park ist aber auch in der Zwischenzeit zugänglich (mit etwas reduziertem Bestand).

Ich gehe davon aus, dass auch in späteren „KölnSkulpturen“ Highlights wie z.B. Anish Kapoors Spiegel­schüssel Untitled (1997), Leiko Ikemuras Katzenmädchen mit rhein-Blick (1999), Barry Flanagans Large Mirror Nijiski (1993) oder Sou Fujimotos Garden Gallery (2011) erhalten bleiben.

Der Skulpturenpark Köln geht zurück auf die Initiative des Kölner Sammlerehepaares Stoffel und wird seit 2008 durch die Stiftung Skulpturenpark Köln getragen. Weitere Informationen inklusive eines Plans des Parks und kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Arbeiten gibt es auf den Seiten des Skulpturenparks Köln. Die Auszeichnung vor Ort ist verlässlich und verweist mittels QR-Codes auf Erläuterungen zu den Werken – auch in Form eines Audioguides, der aber zur Zeit (Anfang Juni 2020) nicht zu funktonieren scheint.

Der Park ist von der U-Bahn-Haltestelle Zoo/Flora (Linie 18) in kaum fünf Gehminuten zu erreichen oder nach einem etwa zwanzigminütigen Spaziergang vom Hauptbahnhof die Rheinpromenade entlang.

Skulpturen in Marl

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Skulpturen in Marl: Ulrich Rückriem, Granit gespalten, 1978. Foto: jvf
Skulpturen in Marl: Ulrich Rückriem, Granit gespalten, 1978. Foto: jvf.

Der in den letzten Jahren zum Skulpturenpark umgestaltete Alte Friedhof Brassert, die Uferpromenade des City-Sees und die Flächen rund um das Museum Glaskasten in der Marler Mitte beherbergen einen großen Teil der Skulpturensammlung der westfälischen Industriestadt.

Das Gesamtensemble ist etwas am Rande der Definition eines Skulpturenparks, aber die Sammlung ist so umfangreich und hochwertig, zudem die Spielfläche parkähnlich genug, dass „Skulpturen in Marl“ einen guten dritten Platz in diesem Test belegt (Gesamtnote: „voll gut“ – 1,7).

Zu den rund 50 Werken, die da zu sehen sind, gehören Arbeiten von Richard Serra, Hans Arp, Ilya & Emilia Kabakov, Timm Ulrichs und Ulrich Rückriem. Mit dabei ist ein sehr schöner Großer Orpheus (Grand Orphée) von Ossip Zadkine (1956) am Südufer des Sees, ein – sagen wir mal vielschichtig-morbider – View to the Temple (1987/2001) von Ian Hamilton Finlay auf dem Friedhof, Thomas Schüttes auf dem Parkplatz vor dem Friedhof gestellte Melonensäule (2017) und eine etwas irritierende Bronzegruppe Dyspepsie (1968) von Jochen Hiltmann hinter dem Skulpturen­museum.

Skulpturen in Marl: Ossip Zadkine, Großer Orpheus, 1956. Foto: jvf
Skulpturen in Marl: Ossip Zadkine, Großer Orpheus, 1956. Foto: jvf.

Ebenso unverzichtbar wie ratsam ist ein (kostenfreier) Besuch des Skulpturen­museums Glaskasten. Ob allerdings Wolf Vostells berückend faszinierende Automobil­dekonstruktion Mit(h)ropa (1974) dauerhaft im Eingangs­bereich ausgestellt ist, weiß ich nicht.

Einen Lageplan der Skulpturen im öffentlichen Raum mit Erläuterungen zu den einzelnen Werken gibt es auf den Seiten des Museums, die Auszeichnungen vor Ort sind exzellent und mit Detail­informationen versehen.

Das Areal ist wenige Gehminuten vom Bahnhof Marl-Mitte entfernt, der stündlich von der S9 angefahren wird (ab Essen Hbf, Wuppertal Hbf oder in der Gegenrichtung ab Haltern am See). Man muss bei der Ankunft aber etwas Tapferkeit mitbringen: Der Weg vom Bahnhof hinüber zum Glaskasten ist mit dem Einkaufs­zentrum „Marler Stern“ und dem Wohnhochhausriegel „Wohnen West“ für den auswärtigen Besucher nicht uneingeschränkt schön anzusehen.

Skulpturenpark Schloss Moyland in Bedburg-Hau

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Schloss Moyland. Foto: jvf
Schloss Moyland. Foto: jvf.

Im niederrheinischen Bedburg-Hau steht das imposante Wasserschloss Moyland. In früheren Zeiten hat sich hier Voltaire herabgelassen, Friedrich II. zu treffen, später war Winston Churchill während der Befreiung Westdeutschlands 1945 vor Ort. Nach Kriegsschäden und Verfall wurde das Schloss erst ab Ende der 1980er Jahre wieder aufgebaut und seit 1997 als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst betrieben (Gesamtnote: „gut“ – 2,2).

In der schönen Parkanlage rund um Schloss und Wassergraben werden 60 Skulpturen gezeigt. Die Sammlung geht zurück auf die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten, der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf rheinischen Bildhauern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zu den Highlights zählen ein in den Graben platziertes, adäquat rätselhaftes Spinning Oracle of Delphi (1986) von James Lee Byars, der ungeheuer beeindruckende Gefallene (1966) von Gerhard Marcks, zehn Arbeiten von Joseph Jaekel und zwei Köpfe von Elna Büx sowie Einzelstücke von Hans Reicher und Erwin Heerich.

James Lee Byars, The Spinning Oracle of Delphi, 1986. © Estate James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln und New York. Foto: Stiftung Museum Schloss Moyland/Florian Monheim und Roman von Götz
James Lee Byars, The Spinning Oracle of Delphi, 1986. © Estate James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln und New York. Foto: Stiftung Museum Schloss Moyland/Florian Monheim und Roman von Götz.

Der Eintritt in den Park kostet 2 Euro, aber für sparsame 7 Euro kommt man auch ins Museum mit umfangreicher Beuys-Sammlung und – im Keller – einer guten Skulpturensammlung u.a. mit Werken von Rudolf Belling, Walter Büx, Constantin Meunier und Raoul-François Larche.

Die Anreise ist freilich etwas mühsam. Von Kleve und Xanten aus fährt die Buslinie 44 wochentags jeweils stündlich, an Sonn- und Feiertagen nur alle zwei Stunden. Infos im Netz gibt es auf den Seiten des Museum Schloss Moyland inklusive Plan für den Park.

Skulpturen im Grugapark Essen

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Skulpturen im Grugapark Essen: Gerhard Marcks, Großer Adam, 1953 / Henry Moore, Knife Edge, 1961. Foto: jvf
Skulpturen im Grugapark Essen: Gerhard Marcks, Großer Adam, 1953 / Henry Moore, Knife Edge, 1961. Foto: jvf.

Die Skulpturensammlung des Grugaparks in Essen ist so eine Sache für sich. Sie ist einerseits fast Nebensache im – gartenlandschaftlich unbestritten sehr hübschen – Multifunktionspark. Andererseits liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf figurativen Skulpturen der 1930er und 1950er Jahre. Beides hebt den Grugapark von allen anderen Testobjekten in dieser Liste ab – nicht durchgängig zu seinem Vorteil (Gesamtnote trotzdem: „noch gut“ – 2,3).

Es gibt ganz wunderbare Arbeiten dort in Essen: Gerhard Marcksʼ etwas irritierender Großer Adam (1953) ist so eine. Von Henry Moore hat es Knife Edge (1961). Ein sehr schöner Großer Geist (1971/73) von Alfred Hrdlicka kommt hinzu. Und – das ist ja auch eine Art Skulptur: Das Hundertwasser-Haus macht wirklich was her.

Skulpturen im Grugapark Essen: Friedensreich Hundertwasser, „Hundertwasserhaus“, 2005. Foto: jvf
Skulpturen im Grugapark Essen: Friedensreich Hundertwasser, „Hundertwasserhaus“, 2005. Foto: jvf.

Aber daneben steht im Grugapark ungeheuerlich viel Gartennippes und Kunstkitsch herum. Bei manchem Werk kann man sich zudem nicht der Frage entziehen, ob der Künstler sich damit nicht der national­sozialistischen Kunstauffassung zu sehr angedient hat, um das noch heute ohne Kontextuali­sierung ausstellen zu können. Unkommentiert in den Park gestellte Arbeiten von Ernst Segers oder Heinrich Adolfs sind da Beispiele.

Gleichviel, der Grugapark ist ganz sicher einen Besuch wert und kommt wegen der großzügigen und schönen Anlage trotzdem auf ein „noch gut“. Die Anbindung mit der U11 vom Essener Hauptbahnhof ist prima. Verpflegungs­möglichkeiten gibt es genug. Die Tageskarte kostet 4 Euro. Einen Lageplan der Skulpturen oder weiterführende Erläuterungen zu einzelnen Werken bietet der Grugapark im Netz allerdings nicht an. Vor Ort soll es einen preiswerten (8€) Katalog geben, der aber seuchenhygiene­bedingt bei Begehung nicht zu beschaffen war (Stand Ende Mai 2020).

Kunst im Schlosspark Stammheim, Köln

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Kunst im Schlosspark Stammheim: Peter Marth / Stephanie Schröter, Die Wa(r)tenden, 2013. Foto: jvf
Kunst im Schlosspark Stammheim: Peter Marth / Stephanie Schröter, Die Wa(r)tenden, 2013. Foto: jvf.

Der direkt am Rhein gelegene Schlosspark Stammheim ist so etwas wie der Skulpturenpark der Herzen. Das liegt zum einen daran, dass er vom bürger­schaftlichen, ehren­amtlichen Engagement der „Initiative Kultur Raum Rechtsrhein“ getragen wird. Zum anderen ermöglicht er mit seinen rund 70 Arbeiten, vornehmlich von Künstlerinnen aus der Region, einen sehr niedrigschwelligen, oft leichtfüßig heiteren, aber keineswegs ober­flächlichen Zugang zur Gegenwartskunst (Gesamtnote: „noch gut“ – 2,3).

Die Ausstellung (seit 2002) wird jährlich teilerneuert. Zu den auffälligsten, dauerhaften Stücken gehören die Holzfiguren von Peter Nettesheim gleich am Haupteingang des Parks, Mind the gap! – Die Unerreichbarkeit der Parkbank (2012) von Tobi Möhring und Paul ter Veld, Peter Marths und Stephanie Schröters Figurengruppe Die Wa(r)tenden (2013) sowie der am Rheinufer zum Start bereite Lilienthal-Mops (2004) von Michail Stamm.

Kunst im Schlosspark Stammheim: Michail Stamm, Lilienthal-Mops, 2004. Foto: jvf
Kunst im Schlosspark Stammheim: Michail Stamm, Lilienthal-Mops, 2004. Foto: jvf.

Der Eintritt zum Schlosspark ist frei (das Schloss selbst ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden). Stammheim ist vom Kölner Hauptbahnhof mit der S6 flott zu erreichen (wochentags alle 20 Minuten, sonntags halbstündlich). Von der S-Bahn-Station geht man 15 Minuten bis zum Schlosspark. Oder man macht eine schöne, 1½-stündige Wanderung vom Dom den Rhein hinunter. Verpflegung muss man sich allerdings mitnehmen, eine Restauration im Park gibt es nicht.

Die Auszeichnung der Werke im Park ist etwas lückenhaft (oder wird im Laufe des Jahres lückenhaft), was aber nicht weiter stört, weil im Netz Lageplan und ein jährlich aktualisierter Katalog herunterladbar ist. Entsprechende Informationen findet man unter Kunst im Schlosspark Köln-Stammheim.

Skulpturen im Immanuel-Kant-Park, Duisburg

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Kunst im Duisburger Immanuel-Kant-Park: Karl Hartung, Thronoi/Throne, 1958/59 und Meret Oppenheim, Der grüne Zuschauer (Einer der zuschaut, wie der andere stirbt), 1933/78. Foto: jvf
Kunst im Duisburger Immanuel-Kant-Park: Karl Hartung, Thronoi/Throne, 1958/59 und Meret Oppenheim, Der grüne Zuschauer (Einer der zuschaut, wie der andere stirbt), 1933/78. Foto: jvf.

Das wichtigste Skulpturenmuseum NRWs, das Lehmbruck Museum in Duisburg, bespielt den umliegenden Immanuel-Kant-Park mit rund 40 Arbeiten. Darunter sind eine Fülle guter Werke u.a. von Richard Serra, Tony Cragg, Henry Moore, Meret Oppenheim, Eduardo Paolozzi, Klaus Hartung und Magdalena Abakanowicz (Gesamtnote: „noch gut“ – 2,5). Der ganz wunderbare David (2006) von Hans-Peter Feldmann musste aus konservatorischen Gründen vor Jahren leider abgebaut werden.

Der Park selber, mitten in der Stadt, 5 Gehminuten von Hauptbahnhof Duisburg entfernt, war lange Zeit eher als sozialer und krimineller Brennpunkt denn als Skulpturenpark berüchtigt. Hier haben Umbau­maßnahmen in den letzten Jahren deutlich Besserung gebracht. Einige Kunst weist aber immer noch Spuren von Vandalismus auf.

Kunst im Duisburger Immanuel-Kant-Park: Magdalena Abakanowicz, Neun-Figuren-Raum, 1990. Foto: jvf
Kunst im Duisburger Immanuel-Kant-Park: Magdalena Abakanowicz, Neun-Figuren-Raum, 1990. Foto: jvf.

Informationen zu den Kunstwerken im Park gibt es allerdings nur spärlich. Einen Lageplan oder weiterführende Informationen zu Einzelwerken im Park bietet das Lehmbruck Museum im Netz leider nicht an, die Auszeichnung im Park ist lückenhaft, ein „StadtKunstführer“, der für 12,90€ an der Museumskasse erhältlich ist, hat einen etwa zehn Jahre alten Stand (Feldmanns David ist die erste gelistete Plastik).

Den (kostenfreien) Besuch im Park sollte man auf jeden Fall mit dem (kostenpflichtigen) Besuch des Museums verbinden, dessen Sammlung und Sonderausstellungen exzellent sind. Anschließend darf man nicht versäumen, die kaum 300 Meter hinüber zur Königstraße zu gehen, wo es den sehr hübschen Livesavor Brunnen (1991/93) von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely gibt.

Skulpturengarten des Museum Abteiberg in Mönchengladbach

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Skulpturengarten des Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Foto: jvf
Skulpturengarten des Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Foto: jvf.

Der kleinste Skulpturenpark im Test, sowohl im Hinblick auf die Fläche (etwa 1 ha) als auch auf die Anzahl der Skulpturen (großzügig gezählt etwa 18): Aber der Skulpturengarten in Mönchengladbach ist sehr hübsch auf dem Abteiberg gelegen, mit Sicht auf das Sankt Vitus Münster und mit ganz ausgezeichneter Kunst ausgestattet (Gesamtnote: „noch gut“ – 2,5).

Die seit 2002 im ehemaligen Obst- und Pfarrgarten der Benediktiner und auf den Terrassen des Museums gezeigte Sammlung umfasst u.a. Werke von François Morellet, Claes Oldenburg, Alexander Calder und Larry Bell. Bemerkenswert frech in Richtung der Abteikirche aufgestellt ist Franz Wests Flause (1998), gleich daneben findet sich eine sehr schöne Bronze der Mönchen­gladbacher Künstlerin Maria Lehnen: Idol XII (1989).

Einen Lageplan gibt es im Netz leider nicht (der Garten ist aber ja auch sehr überschaubar), allerdings kann man für einige Werke auf den Seiten des Museum Abteiberg eine hilfreiche Audioerläuterung herunterladen. Nicht nur weil der (kostenlose) Besuch des Gartens nicht tagesfüllend ist, ist der (kostenpflichtige) Besuch des Museums mit seiner eindrucksvollen Sammlung von Nachkriegs- und Gegenwartskunst und noch besseren Sonder­ausstellungen unverzichtbar.

Museum und Garten sind in etwa 15 Gehminuten vom Mönchen­gladbacher Hauptbahnhof gut zu erreichen.

Skulpturenpark Schloss Morsbroich

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Schloss Morsbroich in Leverkusen. Foto: jvf
Schloss Morsbroich in Leverkusen. Foto: jvf.

Im Leverkusener Stadtteil Alkenrath beherbergt das Rokoko-Schlösschen Morsbroich seit 1951 ein städtisches Museum für Gegenwartskunst. Seit 2008 wird der Schlossgarten als Skulpturenpark bespielt. Er beherbergt eine vergleichweise kleine (derzeit knapp 20 Werke), aber in Einzelstücken hochkarätige Sammlung vornehmlich abstrakter und konkreter Großplastiken aus den Jahren 1949 bis 2014 (Gesamtnote: „noch gut“ – 2,5).

Zu den interessantesten Arbeiten gehören Max Bills Säule mit drei- bis achteckigem Querschnitt (1966/71) und Lee Ufans minimalistisch-meditative Skulptur Relatum (1995). Mir gefällt auch die ebenso verspielte wie erratische Tür aus Stein (1985) von Pinuccio Sciola.

Das spektakulärste Exponat ist aber zweifelsohne Jeppe Heins, vor dem Portal des Schlosses platziertes Wasserspiel Water Island, Morsbroich (2010), das vorerst seuchenhygiene­bedingt aber leider nicht in Betrieb ist (Stand Anfang Juni 2020).

Skulpturenpark Schloss Morsbroich: Max Bill, Säule mit drei bis achteckigem Querschnitt, 1966/71. Foto: jvf
Skulpturenpark Schloss Morsbroich: Max Bill, Säule mit drei bis achteckigem Querschnitt, 1966/71. Foto: jvf.

Schloss Morsbroich ist vom Bahnhof Leverkusen-Schlebusch in 20 Gehminuten zu erreichen (allerdings über eine nicht sehr reizvolle Strecke). Der Bahnhof ist rasch vom Kölner Hauptbahnhof mit der RB 48 erreichbar (wochentags halbstündlich, sonntags stündlich).

Wegen der überschaubaren Menge der Kunst im Park empfiehlt es sich, so wie in Mönchengladbach, den (kostenfreien) Besuch des Parks mit einer der (kostenpflichtigen) Ausstellungen im Museum zu kombinieren. Informationen zu Ausstellungen und einen Plan des Skultpurenparks mit knappen Erläuterungen zu den einzelnen Kunstwerken findet man auf den Seiten des Museum Morsbroich.

Die Kriterien

Ein Park mit ansehnlichen Hügeln, weiten Wiesen, hübschen Wäldern, malerischen Seen, das Ganze in ruhiger Lage, ohne Verkehrslärm. Vielleicht weiden sogar Schafe auf den Wiesen zwischen den Skulpturen und an einer Wasserstelle käuen Schottische Hochlandrinder (ich denke an den Yorkshire Sculpture Park in Nordengland). Ein Schloss oder eine hübsche Villa im Zentrum helfen auch. Groß genug für einen ausgedehnten Spaziergang ist der Park und groß genug, dass sich die einzelnen Werke entfalten können.

Kunstverständige Schafe im Yorkshire Sculpture Park. Foto: jvf
Kunstverständige Schafe im Yorkshire Sculpture Park. Foto: jvf.

Eine anständige Restauration mit Blick über die malerische Landschaft wäre prima. Die Anreise sollte mühelos mit öffentlichem Fern- und Nahverkehr möglich sein. Vernünftige Informationen sollten im Netz zugänglich sein, um sich schon vor Anreise ein Bild machen zu können. Und spätestens vor Ort muss ein Lageplan erhältlich, die Werke verlässlich mit Werkinformationen ausgezeichnet und weiterführende Erläuterungen verfügbar sein.

Und natürlich die Kunst: Insgesamt so um die 30, besser 40 oder idealerweise 50 Werke dürfen es schon sein, damit sich auch eine weitere Anreise lohnt (nur deshalb kommt der Mönchengladbacher Skulpturengarten in Sachen Kunst nur auf 3 Sterne).

Starke Werke von Lehmbruck und Rodin vielleicht, gerne was von Matta und Zadkine, Henry Moore und Barbara Hepworth, Max Ernst und Hans Arp, Gerhard Marcks und Heinz Mack. Aus der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit: Claes Oldenburg und Donald Judd, Erwin Wurm und Franz West, Rosemarie Trockel und Martha Rosler, Thomas Schütte, was mit Spiegeln von Anish Kapoor, Arbeiten von Richard Serra und Tony Cragg, Leiko Ikemura und Jenny Holzer sowie ein Stück von Rückriem. Oder ganz was anderes. Dazu kommen aber auch gut ausgewählte Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.

So in etwa sähe ein idealer Skulpturenpark aus, der hier in den drei Kategorien Landschaft, Service und Kunst die theoretische Bestnote (0,7) bekommen hätte. Das gibt es so in NRW nicht – und wohl auch nicht anderswo. Der schon angeführte Yorkshire Sculpture Park kommt in meiner Wertung auf die Note 1,2.

Dass eine Sternewertung und Beschulnotung von Kunst oder landschaftlicher Schönheit eine auch subjektive und gleichermaßen spielerische Veranstaltung ist, versteht sich von selbst. Die hier ausgewählten Skulpturenparks kann ich aber (fast) uneingeschränkt zu empfehlen. Die ersten drei lohnen eine richtig lange Anreise, aber auch für die anderen Parks würde ich bedenkenlos eine oder anderthalb Stunden im Zug sitzen.

Das Kriterium der lohnenden Anreise (würde ich mich dafür für eine Stunde in den Zug setzen?) führt dazu, dass eine Reihe von schönen Parks – auch mit durchaus guter Kunst – nicht in diese Liste aufgenommen sind. Die „Skulpturen im Garten“ der Kunstmuseen Krefeld hinter Haus Lange und Haus Esters, die Skulpturensammlung am Museum Quadrat in Bottrop, die Skulpturensammlung Viersen oder auch – ganz anders beschaffen – der Skulpturenpark in Halle (Westf.) sind einfach zu klein, um in diese Liste aufgenommen zu werden. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht besuchen sollte, wenn man in der Gegend ist.

Außer Konkurrenz

Den seit 1977 alle zehn Jahre in Münster stattfindenden „Skulptur Projekten“ ist zu verdanken, dass die westfälische Metropole über eine einzigartige Sammlung von zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum verfügt. Da sich die Sammlung aber über die Stadt verteilt, wird man – trotz Aasee und Promenade und auch im Unterschied zu Marl – nicht von einem Skulpturenpark sprechen können. Ein entsprechender Rundgang sei aber sehr empfohlen. Die Stadt Münster stellt einen Skulpturen­führer zum kostenlosen Download bereit.

Nicht als Skulpturenpark ordne ich die Museumsinsel Hombroich ein. In dem parklandschaftlich wohl NRW-weit schönsten Gelände mit Kunst, findet man zwar eine Reihe von Skulpturen von Anatol Herzfeld, einige Arbeiten von Erwin Heerich und ein schönes Stabile von Alexander Calder, aber der Schwerpunkt liegt doch eher auf den Ausstellungshallen und Pavillons. Die Präsentations­strategie der Museumsinsel ist dabei hoch problematisch. Um „Kunst und Natur sinnlich erfahrbar zu machen“, wird auf jegliche Auszeichnung der Werke verzichtet. Uninformiertheit als Voraussetzung der sinnlichen Erfahrung? Gleichwohl lohnt der Besuch (Infos – bzw. kaum Infos – gibt es auf den Seiten der Stiftung Insel Hombroich), vor allem wenn man ihn verbindet mit der Langen Fondation und der Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung nahe der Raketenstation Hombroich.