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Ausstellungen in Paris im Herbst 2026

Eine Auswahl

Francisco de Zurbarán, Paul Cezanne und Claude Monet, Mary Cassatt und Eva Gonzalès, Andy Warhol und Kerry James Marshall: Was gibt es in Pariser Museen im Herbst/Winter 2026/27 zu sehen? Und was lohnt die Anreise aus NRW?

Musée d'Orsay. Foto: jvf

Musée du Louvre: Zurbarán

Francisco de Zurbarán, Santa Casilda, um 1635. Madrid, Museo Thyssen Bornemisza. Ausschnitt. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art
Francisco de Zurbarán, Santa Casilda, um 1635. Madrid, Museo Thyssen Bornemisza. Ausschnitt. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art.

Die spektakulärste Ausstellung im Pariser Herbst, nicht nur in Sachen Alter Meister, ist sicher die Zurbarán-Schau im Louvre. Zwar ist sie mit ihren immer­hin über 50 Werken des spanischen Barock­malers (1598-1664) nicht so umfas­send beschickt wie seiner­zeit, 2015/16, die Zurbarán-Ausstellung in Madrid und im Düssel­dorfer Kunst­palast. Aber die Arbeiten sind klug ausgewählt und die meisten Schlüssel­werke sind angereist: Der Heilige Serapion aus Hartford, Die Heilige Casilda, das Agnus dei und Der Gekreuzigte mit dem Maler aus Madrid, Das Schweiß­tuch der Veronika aus Valla­dolid u.v.m.

Besonders aufregend sind die Zusammen­stellungen zweier Zyklen: alle drei erhaltenen Szenen aus dem Leben Bona­venturas, die Zurbarán 1628/29 für das Franziskaner­kolleg in Sevilla ange­fertigt hat (die Staatl. Kunst­sammlungen Dresden haben dafür ihr Bona­ventura im Gebet ausge­liehen) sowie fünf Gemälde, die er zehn Jahre später für den Haupt­altar der Kartäuser­kirche in Jerez de la Frontera erstellt hat (ange­reist aus Grenoble und New York – leider ist ausgerechnet die Apo­theose des Heiligen Bruno von Köln nicht vor Ort).

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der National Gallery in London und dem Art Institute of Chicago entstanden. Sie war in London – in etwas kleinerer Zusammen­stellung – bereits im Früh­jahr/Sommer 2026 zu sehen und wird im Früh­jahr 2027 nach Chicago weiter­ziehen.

Zurbarán 1598–1664. Paris, Musée du Louvre, 7. Oktober 2026 bis 25. Januar 2027.

Musée de l’Orangerie: Monet – Die Zeit malen

Claude Monet, Le Bassin aux nymphéas – harmonie verte, 1899. Paris, Musée d'Orsay. Ausschnitt. Foto: jvf
Claude Monet, Le Bassin aux nymphéas – harmonie verte, 1899. Paris, Musée d'Orsay. Ausschnitt. Foto: jvf.

Den 100. Todestag von Claude Monet am 5. Dezember 2026 (*1840) nimmt das Museum im Tuilerien­garten zum Anlass für eine ebenso kompakte wie konzise Aus­stellung zum Spät­werk des Meisters des Impressio­nismus. Nach einem kleinen Prolog, der sich der beschleunig­ten Moderne als Thema von Monets Eisenbahn­bildern widmet, konzen­triert sich die Schau auf instruktive Beispiele aus seinen Serien ab den 1890er Jahren: u.a. die Serien der Pappeln an der Epte, der Heu­garben, der Houses of Parlia­ment, der Kathe­drale von Rouen mit ihren Ver­suchen, den Ver­lauf der Tages- und Jahres­zeiten in ihrer Wir­kung auf das Motiv zu ver­folgen.

Besonders eindrucksvoll ist die Zusammen­stellung von Kathedralen­gemälden, zu der auch das Exemplar aus dem Essener Museum Folk­wang angereist ist. In einer abschließenden Sektion folgen Bilder zu Motiven aus Monets Garten in Giverny mit einer starken Synopse von Gemälden der Japanischen Brücke mit ihrer zunehmenden Neigung zur Abstraktion. Die Aus­stellung ist in Ko­operation mit der Tate Gallery ent­standen und wird im Früh­jahr 2027 auch in der Londoner Tate Modern zu sehen sein.

Monet, peindre le temps. Paris, Musée de l’Orangerie, 30. September 2026 bis 25. Januar 2027.

Musée Marmottan Monet: Landschafts­geschichten – Von Monet bis Hockney

Claude Monet, Nymphéas, um 1914/17. Paris, Musée Marmottan Monet. Foto: jvf
Claude Monet, Nymphéas, um 1914/17. Paris, Musée Marmottan Monet. Foto: jvf.

Der Untertitel der Schau ist reich­lich gemogelt: Es hat – wenn ich mich nicht ver­zählt habe – genau ein Gemälde des jüngst ver­storbenen David Hock­ney (1937-2026) vor Ort. Das spricht aus meiner Sicht indes eher für als gegen die Aus­stellung. Die Schau ist ein sehr kursorischer, aber durchaus spannender Essay über die Möglich­keiten von Landschafts­malerei in den letzten grob 1⅓ Jahr­hunderten, aus­gehend von berückend schönen Seerosen­teich­bildern Monets.

Kriegslandschaften, Abstrak­tionen der Natur, Land­schaften der Post­histoire und das verlorene Para­dies sind einige der Kapitel, die anhand von rund 100 Arbeiten ent­faltet werden. Das jüngste Werk, aus 2026, ist übrigens nicht von Hockney, sondern von Frédéric Poin­celet (*1967) und ziem­lich gut. Aber unter­titeln Sie mal eine Aus­stellung „Von Monet bis Poincelet“ – da kommt ja keiner. Die Aus­stellung ist in Ko­operation mit dem Musée de Grenoble ent­standen, wo sie im Früh­jahr 2027 zu sehen sein wird (dort dann auch mit etwas mehr Hockney, für die, die es mögen).

Histoires de paysages – De Monet à Hockney (1890-2026). Paris, Musée Marmottan Monet, 24. September 2026 bis 31. Januar 2027.

Musée d’Art Moderne: Kerry James Marshall – Die Geschichten

Kerry James Marshall, De Style, 1993. Acrylic and collage on canvas, 264.2 x 309.9 cm. Los Angeles County Museum of Art, Purchased with funds provided by Ruth and Jacob Bloom © Kerry James Marshall Photo © Museum Associates/LACMA
Kerry James Marshall, De Style, 1993. Acrylic and collage on canvas, 264.2 x 309.9 cm. Los Angeles County Museum of Art, Purchased with funds provided by Ruth and Jacob Bloom © Kerry James Marshall Photo © Museum Associates/LACMA.

Das Musée d’Art Moderne ist die dritte und letzte Station dieser Überblicks­ausstellung zum Werk des Malers Kerry James Mar­shall (*1955 in Birming­ham, AL), nach der Royal Academy of Arts in London und dem Kunst­haus Zürich. Mehr als 70, teils monumen­tale Arbeiten dokumen­tieren den Weg des viel­leicht spannend­sten afro­amerikanischen Künst­lers der Gegen­wart.

Marshall greift Traditionen der Historien­malerei auf und stellt Schwarze Menschen und ihre Geschichte(n) in den Mittel­punkt seiner epischen Malerei. Die Aus­stellung umfasst Gemälde aus der gesamten Karriere Marshalls, von frühen Werken aus den 1980er Jahren bis hin zu jüngsten Arbeiten mit imaginären Szenen aus der Geschichte Afrikas, die für „The Histories“ erstellt worden sind.

Kerry James Marshall – The Histories. Paris, Musée d’Art Moderne de Paris, 18. September 2026 bis 24. Januar 2027.

Grand Palais: Cezanne und wir

Paul Cezanne, Le garçon au gilet rouge, 1888-1890 / Amedeo Modigliani, Le jeune apprenti, um 1917/19. Quellen: Wikipedia Commons, ebd., Lizenz: PD-Art
Paul Cezanne, Le garçon au gilet rouge, 1888-1890 / Amedeo Modigliani, Le jeune apprenti, um 1917/19. Quellen: Wikipedia Commons, ebd., Lizenz: PD-Art.

Ich weiß nicht recht, was ich von dieser heraus­fordernd großen und viel­stimmigen Aus­stellung halten soll. Der Titel „Cezanne et nous“ spielt wohl an auf ein Bonmot, das manchmal Matisse, manchmal Picasso zugeschrieben wird: Cezanne (1839-1906) sei „le père de nous tous”, unser aller Vater. Dem­ent­sprechend unter­nimmt es die Schau im Grand Palais anhand von an­nähernd 180 Werken, die Wirkung von Cezannes Malerei auf seine zeit­genössischen Kolleg:innen und die Nach­geborenen zu dokumen­tieren.

Mit dabei sind Beispiele von Motiv­übernahmen, Anlehnungen an Szenerien, Farb- und Perspektiv­behandlung Cezannes sowie Hommagen an den Meister, an­gefangen bei Gauguin, Matisse, Mondrian, Picasso, Modigliani, Masson bis hin zu de Staël, Mitchell, Riley und Baselitz, die jeweils Werken von Cezanne gegenüber­gestellt sind. Nun ja, man wird gut daran tun, sich für den Besuchs­tag nichts anderes mehr vorzu­nehmen.

Cezanne et nous. Paris, Grand Palais, 23. September bis 17. Januar 2027.

Musée d’Orsay: Mary Cassatt – Die Unabhängige

Mary Cassatt, Jeune fille au banjo, 1894. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art
Mary Cassatt, Jeune fille au banjo, 1894. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art.

Den 100. Todes­tag von Mary Cassatt (1844-1926) nimmt das Musée d’Orsay zum Anlass für eine rund 80 Gemälde, Pastelle und Drucke umfassende Retro­spektive auf das Werk der in Penn­sylvania geborenen Malerin, die beinahe sechs Jahr­zehnte in Frank­reich lebte und eine der wichtig­sten Künst­lerinnen des Impressio­nismus wurde.

Neben den Mutter- und Kind­portraits, die Cassatt Aner­kennung und kommer­ziellen Erfolg brachten, geht die Aus­stellung auch auf ihr Engage­ment für Frauen­rechte ein sowie auf ihre Bedeutung als Ver­mittlerin der fran­zösischen Avant­garde für den amerika­nischen Kunst­markt. Besonders bemerkens­wert sind u.a. Cassatts zehn­teilige Serie von Farb­radierungen (1890/91) und eine Multimedia-Rekonstruktion ihres monumen­talen Murals Modern Woman für den Frauen­pavillon der „Columbus Weltaus­stellung“ in Chicago 1893.

Die Aus­stellung im Musée d’Orsay ist ent­standen in Koopera­tion mit der National Portrait Gallery in London (dort im Früh­jahr 2027 zu sehen) und dem Museum of Fine Arts in Boston (Sommer/Herbst 2027).

Mary Cassatt – L’indépendante. Paris, Musée d’Orsay, 6. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027.

Petit Palais: Eva Gonzalès – Weg einer freien Künstlerin

Eva Gonzalès, Erwachendes Mädchen, um 1877/78. Quelle: Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen, Foto: Marcus Meyer Photography, Public Domain Mark 1.0
Eva Gonzalès, Erwachendes Mädchen, um 1877/78. Quelle: Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen, Foto: Marcus Meyer Photography, Public Domain Mark 1.0.

Das Petit Palais kümmert sich unter­dessen in seiner Herbst­schau um eine andere Malerin, die sich zwar nicht an den Aus­stellungen der Impressio­nist:innen beteiligte, aber heute dort ein­sortiert wird: Eva Gonzalès (1847-1883). Dass die einzige je von Édouard Manet als Schülerin ange­nommene Künst­lerin in ihren Fähig­keiten einer Mary Cassatt in nichts nach­stand, beglaubigen ihre im Petit Palais versam­melten Haup­twerke wie Une loge aux Italiens (1874) und Le Réveil (1877/78), letzteres aus der Kunst­halle Bremen ange­reist.

Spätere Arbeiten sind viel­leicht nicht durch­gängig so richtig über­zeugend, aber dass sie in der Nach­welt nicht soviel Aufmerks­am­keit findet wie ihre Zeit­genoss:innen ist sicher im frühen und tragischen Ende ihrer Karriere begrün­det: Gonzalès starb mit nur 36 Jahren im Kind­bett – fünf Tage nach dem Tod ihres Lehrers Manet.

Die Ausstellung ist in Koopera­tion mit dem Van Gogh Museum in Amster­dam ent­standen, wo sie im Früh­jahr 2027 zu sehen sein wird.

Eva Gonzalès – Parcours d’une artiste libre. Paris, Petit Palais, 15. September 2026 bis 24. Januar 2027.

Fondation Louis Vuitton: Gustave Fayet – Sammler und Designer

Vincent van Gogh, Jardin public à Arles (Le jardin du poète), 1888. Foto: jvf
Vincent van Gogh, Jardin public à Arles (Le jardin du poète), 1888. Foto: jvf.

Ich neige zur Skepsis gegenüber Aus­stellungen, die Kunst­sammlern gewidmet sind. Das ist ja in der Regel kein über­zeugendes Prinzip, Werke nur deshalb zusammen­zu­stellen, weil sie irgend­jemand für sehr viel mehr oder etwas weniger Geld irgend­wann ein­mal einge­kauft hat. Für die Fayet-Schau in der Fondation Louis Vuitton kann man aber ent­sprechende Bedenken bei­seite lassen (und Fayets eigene Arbeiten mit Gelassen­heit hin­nehmen).

Zu sehen gibt es unter anderem viele gute und in Europa kaum je zu sehende Leih­gaben aus den USA. Berthe Morisot, Paul Signac, Pierre Bonnard, Vincent van Gogh, Paul Gauguin u.v.m. Die Schau, die das gesamte Haus füllt, hat mehr als 250 Werke von Meister:innen der Moderne vor Ort. Es gilt also, einige Zeit einzu­planen.

Gustave Fayet – Collectionneur – Créateur – Icônes de l’art moderne. Paris, Fondation Louis Vuitton, 9. Oktober 2026 bis 8. März 2027.

Musée de Luxembourg: Andy Warhol – Die Linie und das Bild

Werbeplakat für die Ausstellung Andy Warhol – La ligne et l’image im Musée du Luxembourg. Foto: jvf
Werbeplakat für die Ausstellung Andy Warhol – La ligne et l’image im Musée du Luxembourg. Foto: jvf.

Überraschend interessant ist die über­schaubare Warhol-Schau im Musée de Luxem­bourg, die an­hand von rund 150 Arbeiten die Bedeutung der Zeich­nung für das Werk des Pop-Artisten (1928-1987) nach­voll­ziehbar macht.

Die Leihgaben stammen in der über­wiegenden Mehr­zahl aus dem Andy Warhol Museum in Pitts­burgh, aber es sind auch einige Prunk­stücke aus dem MoMA New York vor Ort.

Andy Warhol – La ligne et l’image. Paris, Musée du Luxembourg, 16. September bis 10. Januar 2027.

Musée Jacquemart-André: Zeitloser Tintoretto

Jacopo Robusti, Danaë, um 1570. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art
Jacopo Robusti, Danaë, um 1570. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: PD-Art.

Schwierig. Die mittel­große Tintoretto-Ausstellung im Musée Jacquemart-André am Boule­vard Hauss­mann hat einige hervor­ragende Leih­gaben. Dresden hat sein Bildnis einer Dame in Trauer vorbei­geschickt, das Wiener Kunst­historische Museum hat sich auf Zeit sogar von seiner Susanna im Bade getrennt. Ein paar italie­nische Leih­gaben sind dabei, vor allem aber Hoch­karätiges aus fran­zösischen Häusern (wie die Danaë aus dem Musée des Beaux-Arts Lyon).

Allerdings bleibt das übliche Problem von Ausstel­lungen in diesem Stadt­palais: Die Räume für Sonder­ausstellungen sind viel zu klein für Groß­formate, und es werden viel zu viele Besucher in diese beengten Räum­lichkeiten ein­gelassen. Das taugt also nur, wenn man einen Time­slot findet, in dem nie­mand sonst ins Museum will. Wann das sein könnte, weiß ich nicht (ein beliebiger Tag unter der Woche funktio­niert jeden­falls nicht).

Éternel Tintoret. Paris, Musée Jacquemart-André, 11. September 2026 bis 24. Januar 2027.

Die Inaugenscheinnahme erfolgte bis einschließlich 11. Oktober 2026. Später eröffnete Ausstellungen – wie etwa die große Schau zur Geschichte der Fotografie in der Bourse de Commerce: „Remember Me“ – sind daher nicht in dieser Aufstellung enthalten.