Kulturraum NRW


Der Mantel des Schweigens II

Den Mantel des Schweigens will ich decken über Feridun Zaimoglus Roman "Der Liebesbrand" und Eric-Emmanuel Schmitts Machwerk "Adolf H. Zwei Leben".

Feridun Zaimoglus Liebesbrand war im Frühjahr auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse und wurde von der deutschen Literaturkritik mit fast einhelliger Begeisterung aufgenommen. Mir ist das ein unergründliches Rätsel, für mich gehört das Ding auf die Shortlist für den Preis des schlechtesten Liebesromans 2008: die zwischen hochnotpeinlichem Leidenschaftspathos und reichlich verpeiltem Geschwätz schlingernde Erzählung enthält nicht ein wahres Wort.

Nun kann Literatur auch mal in die Hose gehen, das nimmt man dann zur Kenntnis und schweigt und greift zum nächsten Buch, aber es gibt Machwerke, nach deren Lektüre ich mich schon sehr nach einer Eignungsprüfung für Schriftsteller sehne, bevor sie sich völlig an ihren Stoffen verheben. Das gilt auf jeden Fall für die Romanbiographie Adolf Hitlers, die Eric-Emmanuel Schmitt gründlich versemmelt hat, und in der er seine Hitlerstory mit einer kontrafaktischen Erzählung vom Leben eines als Kunstmaler erfolgreichen Adolf H. parallel führt, der die Eignungsprüfung zur Kunstakademie besteht und deshalb nicht Diktator werden muss. Der Roman Adolf H. Zwei Leben ist gänzlich unerträglich und wird darin übertroffen nur noch vom, als Nachwort beigegebenen, selbstmitleidigen Arbeitsjournal des Autors: „Den ganzen Tag geweint beim Schreiben des Briefes von Adolf H. an seine Freunde, als er im Krankenhaus sein Ende gekommen glaubt.“ Oh, Mann.